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Flanker, Reformulierung, Batch-Code: warum dein Lieblingsduft plötzlich anders riecht

Zwei gleiche Glaszerstäuber mit leicht unterschiedlich getönter Flüssigkeit, dazwischen ein leerer Papierstreifen.
KI-generiert

Kurz gesagt

Ein Flanker ist eine neue Ausgabe unter dem Namen eines Erfolgsdufts, aber mit verändertem Duft, etwa Daisy Wild zu Daisy von Marc Jacobs. Bei einer Reformulierung bleibt der Name, das Rezept ändert sich: Bei Kouros von YSL ersetzte die Parfümeurin 2009 nach eigener Erinnerung zwei "problematische" Rohstoffe. Dazu kommt deine Wahrnehmung: Das Gehirn dämpft die Reaktion auf Gerüche, die anhalten oder sich wiederholen.

Geprüft von Jan Schmidt · · 7 Min. Lesezeit

Du kaufst deinen Duft nach, sprühst ihn auf, und er riecht nicht mehr wie früher. Drei Erklärungen liegen nahe.

Vielleicht hast du einen Flanker erwischt, also eine neue Ausgabe unter dem Namen des Erfolgsdufts, die anders riecht. Vielleicht hat die Marke das Rezept geändert, das heißt dann Reformulierung. Oder es liegt an deiner Nase.

Was ist ein Flanker?

Ein Flanker ist eine neue Ausgabe, die unter dem Namen eines Erfolgsdufts erscheint, aber mit verändertem Duft. Für Paulina Demczyna, Gründerin der Beauty-Firma D&D Carré, ist er ein Weg, neue Kundschaft zu gewinnen. Vor allem Jüngere stiegen eher über die zugänglichere, trendige Version ein, das Original bleibe das eigentliche Ziel.

Neu ist die Idee nicht. Das US-Fachmedium Glossy nennt als frühes Beispiel Signoricci 2 von Nina Ricci aus den siebziger Jahren, eine Neuauflage von Signoricci aus den Sechzigern.

Manche Düfte bekommen über die Jahre eine ganze Reihe von Varianten. Auf Chance von Jacques Polge folgten laut Chanel unter anderem Chance Eau Fraîche (2007), Chance Eau Tendre (2010) und Chance Eau Vive (2015). Heißt für dich: Der vertraute Name auf dem Flakon ist nur die halbe Information. Was dahinter steht, entscheidet, was du riechst.

Ist ein Elixir nur die stärkere Version?

Nicht unbedingt: Ein Zusatz wie Elixir verrät dir nicht, ob nur mehr Duftöl im Flakon ist oder ein anderer Duft. Bei Sauvage beschreibt Dior jede Fassung mit eigenen Noten. Das Eau de Toilette, das Eau de Parfum und das Parfum sind Konzentrationen, sie unterscheiden sich also im Duftölanteil.

Sauvage kam 2015 als Eau de Toilette heraus, entwickelt von François Demachy, dem früheren Parfümeur von Dior. Danach folgten unter anderem das Eau de Parfum 2018, das Parfum 2019 und das Elixir 2021. Auf seiner US-Website führt Dior unter dem Namen Sauvage unter anderem diese Fassungen:

Fassung Erschienen Noten laut Dior
Eau de Toilette 2015 Zitrus- und Pfeffernoten
Eau de Parfum 2018 Zitrus- und Vanillenoten
Parfum 2019 Zitrus- und Holznoten
Elixir 2021 würzige Noten und Holznoten
Extrait nicht bekannt Holznoten
Eau Forte, ohne Alkohol nicht bekannt würzige Noten und Moschusnoten

Die Noten in der Tabelle sind die Beschreibung der Marke, kein Vergleich der Rezepte. Nach Diors Beschreibung ist das Elixir also nicht automatisch derselbe Duft, nur kräftiger. Wie sich die Konzentrationen grundsätzlich unterscheiden, steht in Eau de Parfum oder Eau de Toilette.

Ein Name, mehrere Düfte: die Sauvage-Familie

Noten laut Dior

Ein Name, eigene Noten. Dior beschreibt jede Sauvage-Fassung anders. Tippe eine Fassung an, dann siehst du, wann sie erschien und wie Dior sie beschreibt.

Flanker oder Reformulierung?

Flanker

Name des Erfolgsdufts, hier mit dem Zusatz Wild

Duft verändert, eine neue Ausgabe

Beispiel: Daisy Wild von Marc Jacobs, ein Flanker von 2024 zum Duft Daisy von 2007.

Reformulierung

Name bleibt gleich

Rezept geändert, Rohstoffe ausgetauscht

Beispiel: Kouros von YSL, 2009. Soweit sich die Parfümeurin Céline Perdriel erinnert, ersetzte sie Lyral durch Florhydral und Bourgeonal, Eichenmoos durch Algenabsolue, "Evernil" und Eichenholzabsolue.

Unter einem bekannten Namen können Düfte mit eigenen Noten stehen, und unter demselben Namen kann sich das Rezept ändern. Die Noten sind Diors Beschreibung auf seiner US-Website (Werbetext der Marke, Stand Oktober 2026), kein Vergleich der Rezepte; Dior führt dort unter anderem diese Fassungen. Schematisch: Abstände, Farben und Kreise tragen keine Werte. Quellen: Dior (US-Website), WWD, Cosmetics Business (Paulina Demczyna), Glossy, Fragrantica News (Céline Perdriel).

Warum bringen Marken Flanker heraus?

Johanna Monange, Gründerin des Maßparfum-Hauses Maison 21G, nennt Flanker eine rein kommerzielle Strategie. Die Marke müsse den Flakon nicht neu entwickeln, ändere nur die Farbe und behalte die Bekanntheit, die sie schon hat. Meist bringe man Flanker heraus, wenn die Marke schon sehr groß sei und kein Risiko eingehen wolle.

Dazu kommt der Handel. Carlos Huber, Duftentwickler und Gründer der Nischenmarke Arquiste, sagt: Meist bringen Marken Flanker heraus, weil große Händler sie verlangen. Gemeint sind etwa Sephora und größere Kaufhäuser, die von den Marken ständig Aktionen und immer mehr fordern.

Flanker bringen der Marke Sichtbarkeit, sagt die Parfümeurin Dora Baghriche, die Glossier You zusammen mit Frank Voelkl entwickelt hat. Jede Marke habe ein Portfolio und wolle damit möglichst viele Kundinnen und Kunden erreichen.

Ein Beispiel ist Daisy Wild von Marc Jacobs, ein Flanker von 2024 zum Duft Daisy von 2007. Laut Hersteller Coty lag er weniger als ein Jahr nach dem Start unter den ersten drei Damendüften in Großbritannien und Deutschland, Stand Herbst 2024. 2025 folgte Daisy Wild Eau So Intense.

Monange warnt allerdings: Wer mit Flankern und Verkaufsaktionen anfängt, mache kurzfristig Umsatz, schade aber auf lange Sicht dem Wert der Marke.

Und die Nische?

Laut Glossy sind Flanker bei Designer- und Massenmarken Standard, bei echten Nischenmarken gibt es sie fast nicht. Was Nische von Designer trennt, steht in Nischenparfum oder Designerparfum.

Carlos Huber sieht bei Nischenmarken ein Risiko: Flanker könnten dort manchmal zu viel werden und die Botschaft des Hauptdufts verwässern.

Bei vielen großen Marken der Achtziger und Neunziger, sagte der Duftexperte Michael Edwards 2019, halte das Erstrebenswerte nicht an. Limited Editions seien allgegenwärtig, Flanker häufig. Die Nische nannte er “die Vorschule der Zukunft”.

Warum ändern Marken das Rezept eines Dufts?

Ein möglicher Grund sind Rohstoffe, die als “problematisch” gelten. Bei Kouros von YSL waren es zwei, soweit sich die Parfümeurin Céline Perdriel erinnert. Bleibt der Name gleich und ändert sich das Rezept, heißt das Reformulierung. Am Namen erkennst du das also nicht.

Wie lief die Reformulierung von Kouros ab?

Die Umstellung dauerte 9 Monate, so hat es Céline Perdriel erzählt. 2009 reformulierte sie bei Givaudan den YSL-Duft Kouros. Den Auftrag bekam sie über ihre vielen Projekte für L’Oréal.

Nach ihrer Erinnerung ersetzte sie den Rohstoff Lyral durch Florhydral und Bourgeonal. Statt Eichenmoos nahm sie Algenabsolue, “Evernil” und Eichenholzabsolue.

Gibt es Ersatz für einzelne Duftstoffe?

Für den Duftstoff Lilial zum Beispiel ja: Nympheal, ein Maiglöckchen-Duftstoff, entstand 2016 bei Givaudan, um ihn zu ersetzen. Ein direkter Ersatz sei er nicht, erklärt die Duftentwicklerin Valentina Nekrasova, er wirke stärker, lasse sich aber dafür einsetzen. Sicherer sei er in mehreren Punkten, etwa weil er sich in der Natur schneller abbaut.

Wer setzt Regeln für Duftstoffe?

Eigene Regeln für Duftstoffe setzt der Branchenverband IFRA (International Fragrance Association). Stoffe, die er für zu schädlich hält, verbietet er. Für andere begrenzt er die Verwendung auf Mengen, die er für sicher hält. Für eine dritte Gruppe regelt er Reinheit oder Herkunft.

Nach eigener Darstellung sind die IFRA-Standards ein freiwilliges System, mit dem sich die Branche selbst regelt. Für die Mitglieder des Verbands sind sie aber verpflichtend. Laut IFRA stellen diese Mitglieder rund 80 Prozent aller weltweit produzierten Duftstoffe her, gemessen an der Menge (Stand Oktober 2026).

Neue Regeln greifen nicht über Nacht. Bei der jüngsten Ergänzung der Standards gilt ein Verbot ab der Bekanntgabe für neu entwickelte Duftmischungen nach 2 Monaten, für bestehende nach 13 Monaten. Beschränkungen und andere Vorgaben greifen nach 9 beziehungsweise 28 Monaten (Stand Oktober 2026).

Danach dürfen Duftstoff-Hersteller, die IFRA-Mitglied sind, keine Duftmischungen mehr an ihre Kunden liefern, die den Standards nicht entsprechen. Die Fristen gelten für diese Mischungen, nicht für fertige Produkte im Handel.

Riecht der Duft wirklich anders, oder bilde ich mir das ein?

Ein Duft kann sich tatsächlich verändert haben, aber auch deine Wahrnehmung, denn dein Gehirn gewöhnt sich an Gerüche. Gewöhnung, in der Forschung Habituation, ist ein Filter des Gehirns: Es senkt unbewusst die Reaktion auf Reize, die anhalten oder sich wiederholen.

So beschreibt es eine Studie von 2017 in der Fachzeitschrift Scientific Reports, mit einem Forschungsteam um Charlotte Sinding und Thomas Hummel. Teilnehmende bewerteten darin 120 Sekunden lang fortlaufend, wie stark 32 Duftstoffe riechen. Die Gewöhnung fiel je nach Duftstoff unterschiedlich stark aus, der Unterschied war statistisch signifikant, also sehr wahrscheinlich kein Zufall.

Der Versuch dauerte nur 2 Minuten und zeigt, dass sich das Gehirn an Gerüche gewöhnt, nicht, ob deine neue Flasche anders riecht.

Was ist ein Batch-Code?

Der Batch-Code, auf Deutsch Chargennummer, identifiziert eine bestimmte Produktionscharge in der ganzen Lieferkette. Gedacht ist er laut dem Industrieverband IKW vor allem für den seltenen Fall eines Rückrufs.

Was tust du, wenn dein Duft anders riecht?

Vergleiche nebeneinander statt aus dem Gedächtnis. Die drei Erklärungen unterscheiden sich so:

Erklärung Name Duft Woran du es merkst
Flanker Name des Erfolgsdufts verändert Zusatz zum Namen, etwa Wild bei Daisy Wild
Reformulierung bleibt gleich Rohstoffe ausgetauscht am Namen nicht zu erkennen, nur im direkten Vergleich
Gewöhnung bleibt gleich bleibt gleich dein Gehirn dämpft anhaltende Reize

So gehst du vor:

  1. Lies das Etikett. Steht neben dem Namen ein Zusatz, hältst du womöglich einen anderen Duft in der Hand als früher.
  2. Teste alt und neu gleichzeitig, auf zwei verschiedenen Stellen der Haut. Das ist ehrlicher als die Erinnerung.
  3. Gönn deiner Nase Pausen, denn an anhaltende Reize gewöhnt sich das Gehirn.
  4. Teste vor dem Nachkauf klein, am Tester im Laden oder mit einer Probe. Wie du an Proben kommst, steht in Parfumproben bestellen.
  5. Ist die alte Flasche schon lange offen, lies nach, wie lange Parfum hält.

Was du vermeiden solltest

Kauf einen Flanker nicht als Blindkauf, also ohne Test, nur weil du das Original magst. Er riecht anders als das Original. Und schließ nicht aus einem einzigen Sprühstoß, dass das Rezept geändert wurde. Dafür braucht es den Vergleich nebeneinander.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich einen Flanker?

Ein Flanker erscheint unter dem Namen eines Erfolgsdufts der Marke, riecht aber verändert. So steht bei Daisy Wild von Marc Jacobs, einem Flanker von 2024, der Zusatz Wild neben dem Namen des Originals Daisy.

Was ist die IFRA?

Die IFRA (International Fragrance Association) ist ein Branchenverband, der eigene Regeln für Duftstoffe setzt. Ihre Standards sind nach eigener Darstellung ein freiwilliges System, mit dem sich die Branche selbst regelt, für die Mitglieder des Verbands aber verpflichtend.

Gelten neue IFRA-Regeln sofort für Parfums im Laden?

Nein. Die Fristen der IFRA gelten für die Duftmischungen, die Duftstoff-Hersteller an ihre Kunden liefern, nicht für fertige Produkte im Handel. Bei der jüngsten Ergänzung der Standards greift ein Verbot für bestehende Duftmischungen zum Beispiel erst nach 13 Monaten.

Wie lange dauert eine Reformulierung?

Ein Beispiel gibt Kouros von YSL: Dort dauerte das Projekt 2009 nach Schilderung der Parfümeurin Céline Perdriel 9 Monate.

Sind Flanker schlechter als das Original?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Ein Flanker ist ein eigener Duft, der anders riecht als das Original. Ob er dir gefällt, zeigt nur ein Test auf deiner Haut.

Weiterlesen

Alles aus Duft-Wissen

Im Lexikon: Eau de ToiletteEau de ParfumExtrait de ParfumNischenparfumBatch-CodeTesterBlind Buy

Quellen

10
  1. Cosmetics Business: Chanel, YSL and Prada new flankers speak to Gen Z differently, abgerufen
  2. Glossy: The big business of perfume flankers, abgerufen
  3. Chanel: The House of Chanel, 2000er-Jahre, abgerufen
  4. Dior: Sauvage (US-Website), abgerufen
  5. WWD: Dior Sauvage, der meistverkaufte Duft, abgerufen
  6. WWD: Michael Edwards über die Geschichte der Luxusdüfte und die Zukunft der Nische, abgerufen
  7. Fragrantica News: Reformulation, How Do They Do It?, abgerufen
  8. IFRA: IFRA Standards, abgerufen
  9. Scientific Reports (PMC): New determinants of olfactory habituation, abgerufen
  10. IKW: Leitlinien zur Kennzeichnung kosmetischer Mittel, abgerufen

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